Anekdötchen von der Renovierung

 

Fast alles selbst gemacht

 

Als ich unser Haus gekauft habe, war es genau 100 Jahre alt. Entsprechend gab es viel zu tun, bis daraus die kleine Gästepension wurde, die sie heute ist.

Natürlich hatte ich auch Handwerker im Haus, die nach meinen Vorstellungen gearbeitet haben. Vieles habe ich aber selbst übernommen. Ich habe Wände verputzt und gestrichen, Stromschlitze gefräst, Laminat und Fliesen verlegt und unzählige andere Arbeiten erledigt.

Allein damit, die Dämmplatten für den Dachausbau nach oben zu tragen, war ich rund zwei Wochen beschäftigt. Wer unser Haus kennt, weiß warum: Die vielen Treppen machen das Ganze zu einem kleinen Fitnessprogramm.

Wenn Gäste heute sagen, dass das Haus eine gemütliche Atmosphäre hat, freue ich mich deshalb jedes Mal ein bisschen. Denn in fast jeder Ecke steckt nicht nur viel Arbeit, sondern auch ein kleines Stück Herzblut.

 


 

Das Jobangebot

 

Während der Renovierung wohnte ich bereits die ersten Gäste im Haus. Eines Tages war ich gerade dabei, im Keller Fliesen zu verlegen. Meine Tochter war damals noch ein Baby und saß die ganze Zeit in der Manduca auf meinem Rücken.

Ein Gast blieb plötzlich in der offenen Kellertür stehen und schaute mir schweigend bei der Arbeit zu.

Ich fragte irgendwann, ob er etwas brauche.

„Nein, nein“, sagte er. „Ich schaue nur zu.“

Nach einer ganzen Weile fragte er mich völlig unvermittelt:

„Könnten Sie sich vorstellen, in Österreich zu arbeiten?“

Ich legte die Fliesenzange zur Seite, stand auf und schaute ihn etwas verwundert an.

„Wie kommen Sie denn jetzt darauf?“

Da stellte sich heraus, dass er Fliesenlegermeister war und Auszubildende suchte. Er erklärte mir, dass die Ausbildung normalerweise drei Jahre dauere. Nachdem er mir eine ganze Weile zugesehen hatte, meinte er aber, ich könne seiner Einschätzung nach direkt ins dritte Lehrjahr einsteigen. Anschließend würde er mich sofort übernehmen.

Ich musste lachen, weil ich dachte, er mache einen Scherz.

Tat er aber nicht.

Ich bedankte mich herzlich und erklärte ihm, dass ich gerade mitten dabei sei, diese Pension aufzubauen und meine kleine Tochter wohl kaum mit auf österreichische Baustellen nehmen könne.

Er zeigte Verständnis, wir verabschiedeten uns freundlich und ich verlegte anschließend weiter meine Fliesen.

Manchmal frage ich mich heute noch schmunzelnd, ob ich wohl Fliesenlegerin geworden wäre, wenn ich dieses Haus nie gekauft hätte.

 


 

Türen mit Persönlichkeit

 

Unser Haus wurde 1912 von einem Steinmetzmeister gebaut.

Während der Renovierung baute ich sämtliche Türen aus, um sie sorgfältig aufzuarbeiten. Mir war wichtig, ihren alten Charakter zu erhalten und sie nicht einfach durch neue Türen zu ersetzen.

Nachdem alle Türen und Türrahmen frisch gestrichen waren, wollte ich die Türen wieder einhängen.

Zumindest war das der Plan.

Denn plötzlich stellte ich fest, dass keine Tür wie die andere war.

Jede einzelne hatte ihr eigenes Maß. Und natürlich passte auch jede nur in genau einen Türrahmen.

Also begann ein fröhliches Ausprobieren, Messen, Tauschen und Herumlaufen durchs ganze Haus, bis schließlich jede Tür wieder ihren richtigen Platz gefunden hatte.

Heute muss ich jedes Mal darüber schmunzeln.

So etwas erlebt man vermutlich nur bei einem über hundert Jahre alten Haus. Und genau solche kleinen Eigenheiten machen für mich seinen besonderen Charme aus.