Die Treppenkur

 

Nicht jeder Gast freut sich beim ersten Anblick über unsere Außentreppe.

 

Ein Herr mittleren Alters, der fast eine Woche bei uns wohnte, machte daraus auch gar kein Geheimnis. Jedes Mal, wenn wir uns begegneten, erzählte er mir mit einem Lächeln, dass ihn die vielen Stufen ganz schön ins Schwitzen bringen würden.

„Ihre Treppe hat es wirklich in sich“, sagte er immer wieder.

 

Nach einer Woche verabschiedete er sich freundlich und fuhr nach Hause.

 

Zwei Tage später klingelte bei mir das Telefon.

 

Es war mein Gast.

 

Voller Begeisterung erzählte er mir, dass sich sein Blutdruck deutlich verbessert habe. Er leide eigentlich unter Bluthochdruck und nehme dafür Medikamente. Nach seinem Aufenthalt bei uns habe er zu Hause gemessen und festgestellt, dass seine Werte plötzlich deutlich besser seien. Darüber habe er sogar mit seinem Arzt gesprochen.

 

Dann sagte er lachend:

„Ich glaube, ich muss jetzt regelmäßig zu Ihnen kommen – nicht nur wegen der Unterkunft, sondern auch wegen Ihrer Treppe!“

 

Ob es tatsächlich die vielen Stufen waren oder einfach die Kombination aus Bewegung, frischer Luft und einer entspannten Woche bei uns im Haus, kann ich natürlich nicht beurteilen.

 

Was ich aber weiß: Aus dem Gast wurde ein regelmäßiger Besucher. Ein- bis zweimal im Jahr verbrachte er ein paar Tage bei uns – und freute er sich sogar auf die vielen Treppen.

 

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet unsere 100 Stufen einmal zu den Dingen gehören würden, die ein Gast vermisst?